Die Fahrt am nächsten Tag von Wilmington weiter an der Ostküste in Richtung Süden bot so keine Höhepunkte. Also verließen wir die vorgeschlagene Interstate und fuhren auf dem Highway 17 übers Land. Es war Sonntag Morgen und vor den Kirchen standen sehr viele Autos. Dies ist noch erstaunlicher, weil wir eine Unmenge davon sahen, fast mehr als Wohnhäuser. Methodisten, Baptisten und Katholiken sind so die Hauptrichtungen.

Gegen 15:00 Uhr trafen wir in Charleston ein. Die Hafenstadt hat circa 120 tausend Einwohnern. Sie war lange Zeit Metropole der Südstaaten und bis 1788 Hauptstadt von South Carolina. Sie entstand auf einer Halbinsel im Bereich des Zusammenflusses von Ashley River und Cooper River. Beide Flüsse bilden dort einen breiten Mündungstrichter, der im Südosten in den Atlantik übergeht. Diese Bucht bot den idealen, da geschützten Standort für einen natürlichen Hafen. Das Haus unserer Gastgeber befindet sich in der Churchstreet, das ist fast an der Südspitze der Halbinsel.
Wir wurden erst gegen 16:00 Uhr erwartet und so wanderten wir die Church Street hinunter. Entlang des Riverwalk befinden sich auf der einen Seite wunderschöne Häuser und auf der Seeseite kann man großen Seevögel (Brauner Pelikan) beim Fischfang zusehen.

Nach unserer Rückkehr erwartete uns schon unser Gastgeber. Wir bezogen nach einer Führung durch das Erdgeschoss unser Zimmer im Keller des Hauses. Gegen 17:00 Uhr fanden wir uns zu dem auch hier üblichen Wein/Bier-Treff ein. In der Küche steht eine Zapfanlage mit einem 50 Liter Fass mit lokalem Bier, das in der Art von Kölsch gebraut wird. Frisch gezapftes und kühler Bier, was will man(n) mehr. Unsere Gastgeberin erzählte uns einiges von der Geschichte der Stadt und auch über sich. Sie lernte ihren Mann, der in diesem Haus aufgewachsen ist, in der Nachbarschaft kennen, als sie dort mit ihrer Mutter Urlaub machte. Sie haben vier erwachsene Kinder (drei Söhne und eine Tochter) die an verschiedenen Orten in den USA leben. Zwei Enkelkinder sind auch schon da.

Charleston wurde 1670 gegründet und nach dem englischen König Karl II. Charles Town benannt. Sie war 1690 mit 1200 Einwohnern die fünftgrößte Stadt in Nordamerika und Drehscheibe des Sklavenhandels der britischen Kolonien über die Middle Passage.
1776 hatte das Charleston vorgelagerte Fort Moultrie auf Sullivan’s Island im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg den Briten widerstanden. Danach bekam die Stadt ihren heutigen Namen.
85 Jahre später begannen mit dem Beschuss des im Hafen von Port Charleston befindlichen Fort Sumter durch Konföderierte am 12. April 1861 die Kampfhandlungen des Sezessionskriegs.

Die Stadt wurde beim Charleston-Erdbeben von 1886 weitgehend zerstört, aber in den vier darauf folgenden Jahren von ihren Einwohnern wieder aufgebaut. Sie gilt als ein nordamerikanisches Architektur-Juwel, da viele Gebäude im Greek-Revival-Stil der Antebellum-Architektur des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben sind.

Der in den 1920er Jahren populär gewordene Tanz Charleston ist nach der Stadt benannt.

Wie unsere Gastgeber auf die Liste von Umfulana gekommen sind, ist ihnen nicht bekannt, sie machen keinerlei Werbung für ihr Haus. Haben sich aber gefreut, als sie von einem Agent angerufen wurden. Die Saison ist von Oktober bis März, also wenn es hier kühler ist.

Mit einer großen Liste an Empfehlungen und Vorschläge für unseren Aufenthalt verabschiedeten wir uns zum Abendessen. Wir waren spät dran aber im empfohlenen „Pearlz“ ergatterten wir noch einen Außentisch. Mit der Bestellung klappte es nicht so ganz, denn weder das gewünschte Bier noch Austern waren mehr vorhanden. So gab es nur einen Salat mit Shrimps, der war sehr lecker und völlig ausreichend.

In Charleston ist Busfahren kostenlos und das auch für Touristen. Nach einem leckeren Frühstück haben wir das gleich ausprobiert. Bis zur 1. möglichen Haltestelle mussten wir eine Strecke bei 35 °C zurücklegen. Im Bus war es dagegen frostig. Da man an allen Plätzen vom Lüftungssystem angeblasen wurde, verließen wir ihn bereits vorzeitig. Wir wollten dieses Mal einen Urlaub ohne Erkältung.

Hier war die Stadt nicht ganz so schön und auch die Parks nicht gepflegt. Mit Ziel Markthäuser, ebenfalls eine Empfehlung, wanderten wir langsam zurück. Per Zufall entdeckten wir auf der anderen Straßenseite ein Katzen-Café. Da konnten wir nicht dran vorbei, wir hatten schon einiges darüber gelesen.

Die Markthäuser sind ebenfalls sehenswert. Neben allem Möglichen, wofür nach Meinung der Standbetreiber ein Touristenherz schlagen könnte, gibt es Sweetgrass Basket. Grüngrasskörbe werden nicht mit typischen Webtechniken wie Flechten oder Verdrehen hergestellt. Stattdessen nutzen die Frauen die westafrikanische Tradition des Aufwickelns. Getrocknetes Süßgras wird gebündelt und im Kreis gewickelt. Dünne Stränge von Palmenwedeln halten das Stück an seinem Platz, und weitere werden dann für Dekoration und Stärke hinzugefügt.

Bevor wir uns aus der Hitze zurückzogen, gab es noch für jeden einen Vanillemilchshake und ein halbes Dutzend „Poffertje“. Es war einfach zu heiß, selbst zum Wein/Bier-Treffen konnten wir nicht auf die Terrasse. Kater Drifter und Labradorhündin Lacey war das recht, im kühlen hat man viel mehr Lust auf Streicheleinheiten. Wir berichteten von unseren heutigen Erlebnissen und unsere Gastgeberin bot uns an, uns für das Abendessen zum Restaurant zu fahren. Zuvor zeigte sie uns noch die Legare Street, in der besonders schöne Häuser standen.

Das „S.N.O.B.“ hielt was uns versprochen worden war. Es gab köstliche Ente für mich und exquisites Lamm für Thomas. Es war ein wenig kühler geworden und so schlenderten wir auf dem Heimweg erneut durch die Legare Street. Kaum zu glauben wie laut Zikaden sein können.

Unsere Route

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