Gestern Morgen war ich so weit wieder beweglich, dass wir unsere Reise wie geplant fortsetzen konnten. Unser Ziel war das südlichste Naturreservat Afrikas De Hoop Nature Reserve, das am Indischen Ozean liegt und ca. 34.000 Hektar Land und das angrenzende Meer umfasst. De Hoop wurde zum Schutz der Fynbos-Landschaft am Kap eingerichtet – eine der ungewöhnlichsten Vegetationszonen der Erde. Die Fynbos-Pflanzen sind hervorragend an die unwirtlichen Bedingungen – karge Böden, Winterregen, Trockenheit im Sommer und regelmäßige Brände – angepasst. Im Reservat leben viele verschiedene Säugetierarten, unter anderem der vom Aussterben bedrohte Bontebok. Im Gegensatz zu fast allen anderen Naturreservaten im südlichen Afrika kann man in De Hoop Nature Reserve auf eigene Faust wandern oder mit dem Moutainbike das Reservat erkunden. Wege unterschiedlicher Länge sind mit entsprechenden Schildern gekennzeichnet.

Unser Weg dorthin führte uns zuerst nach Ladismith. Die Kirche des Ortes ist leider einsturzgefährdet. Die Einwohner haben daraufhin darin eine Ausstellung eingerichtet mit Exponaten aus Familienbesitz. Damit wird vieles über die Vergangenheit und Geschichte des Ortes erzählt. Mit dieser Ausstellung versuchen sie, das Geld für die Renovierung der Kirche über die Besucher hereinzubekommen. Wir haben uns gefreut, endlich mal eine dieser Kirchen betreten zu können.

Danach ging es weiter über den 17 Kilometer langen Tradouw Pass. Der Name ist abgeleitet von dem Khoisan-Wort für „Frau“, was darauf schließen lässt, dass er bereits begangen wurde, lange bevor der bekannte Straßenbaumeister Bains 1873 eine Straße über die Langeberge anlegen ließ.

Als nächstes fuhren wir nach Swellendamm. Die Besichtigung der Kirche des Ortes war wie auch anderorts leider nicht möglich, da verschlossen, doch auch von außen ist sie ein beeindruckendes Gebäude. Auf der Straße durch die drittälteste Stadt Südafrikas fühlten wir uns wie auf einem afrikanischen Markt. Viele Händler versuchten, den Durchreisenden Obst zu kaufen. Wir hatten unterwegs schon einmal so eine Kiste erstanden. Das Obst darin ist eine bunte Mischung entsprechend der Jahreszeit, es ist reif und somit sollte es möglichst umgehend verzehrt werden. Nur für zwei Personen ist so eine Kiste voll mit Trauben, Nektarinen, Pfirsichen und vielem mehr jedoch zu viel und in keiner unserer Unterbringungen, war bisher der Kühlschrank für diese Obstmenge groß genug. Wir bummelten also nur durch die Straße und schauten uns das bunte Treiben an.

Ungefähr 45 Kilometer vor De Hoop war die Straße nur noch eine Schotterpiste. Eine andere Strecke wurde uns zwar im Navigationsgerät angezeigt, diese war jedoch ein Drittel länger und wir vermuteten, dass auch diese Strecke eine unbefestigte Straße sein wird. Unterwegs gab es ein paar Abbiegungen und so hofften wir immer wieder, dass sich die Straßenverhältnisse nach der nächsten Abbiegung bessern werden, was nicht geschah. Dafür sahen wir unterwegs eine Menge Tiere, darunter auch den Blauen Kranich. Mit dem Passieren der Einfahrt zum Reservat änderte sich auch hier nichts an den Straßenverhältnissen, doch die vielen Antilopen, Zebras, Affen und Schlangen rechts und links der Straße zu den Cottages verlangten eh eine langsame Fahrt.

Heute Morgen hieß es dann wieder früh aufstehen. Wir beide waren auch die Einzigen, die sich für den Bird Walk um 6:00 Uhr eingetragen hatten. Unser Guide zeigte uns einen interessanten Weg am De Hoop Vlei entlang, welches ursprünglich der Auslöser für das Schutzgebiet an dieser Stelle war. De Hoop Vlei ist eine der größten Brackwasser-Lagunen und gehört seit 2004 zum UNESCO Weltkulturerbe. Wegen der Lichtverhältnisse gelang es uns nicht immer, die entdeckten Tiere mit der Kamera festzuhalten. Ich war jedoch begeistert, hatte ich z. B. noch nie so viele Flamingos fliegen sehen. Unser Guide war bemüht, jede unserer Fragen zu beantworten und so erfuhren wir auch einiges über die Pflanzenwelt. Er verriet uns, welche Pflanzen für die „Strohdächer“ verwendet wurden, dass die riesigen Bäume auf dem Gelände kaum älter als 60 Jahre waren. Sorgen bereitete ihm der seit einigen Jahren sinkenden Wasserstand der Lagune. Derzeit liegt er mehr als drei Meter unter dem Normalstand und sollte es sich weiter verschlechtern, ist eben diese Pflanzen- und Tierwelt bedroht, für die das Schutzgebiet eingerichtet wurde.

Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir durch das Reservat zu den weithin leuchtenden Sanddünen. Bessere Straßenverhältnisse wie bereits erwähnt gibt es innerhalb des Reservates nicht. Heute war ein sehr windiger Tag, dementsprechend stark war das „Peeling“ auf allen freien Hautflächen mit erreichen der Dünen. Zwar haben wir von der Tierwelt am Strand nur ein brütendes Schwarzer Austernfischerpaar entdecken können, doch der Blick hinaus auf die aufgewühlte See war fantastisch.

Vor dem Abendessen genossen wir noch einen Sonnenuntergang am Vlei.

Unsere Route:

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