Der Wecker sollte uns um 08:00 Uhr aus dem Bett schmeißen, damit wir ohne zeitliche Probleme den Inlandflug von Mexiko City nach Guadalajara erreichen. Mit einberechnet werden musste auch wie lange Uber zum Flughafen, Terminal 1, benötigt. Normalerweise eine Strecke zwischen fünfzehn bis zwanzig Minuten. Wir wussten aber nicht, dass unser Fahrer nicht die verstopfte Hauptstrecke, sondern nur Schleichwege benutzte. Wir waren um sechs schon wach, obwohl wir erst um eins im Bett lagen, und unser Uber-Fahrer benötigte tatsächlich nur 20 Minuten.
Der Flug von 70 Minuten verlief optimal, jeder von uns hatte drei Sitze am Notausgang für sich, kostenfrei zu trinken gab es nur ungekühltes Wasser. Wir gehörten auch zu den wenigen, die Gepäck aufgegeben hatten.

Schon bald brachte uns ein anderer Fahrer von Uber zu unserer 45 Minuten entfernten Unterbringung. Hier hatten wir für eine weitere Woche gebucht. Die Unterbringung war zwar obwohl geräumiger deutlich günstiger. Dies war ihr nicht nur anzusehen, wir sollten es die nächsten Tage auch noch zu spüren bekommen. Überrascht hat uns die Wohngegend, sämtliche Anwesen waren hinter Gitter und/oder Mauern, auf denen Stacheldrahtzäune trohnten, ausgestattet. Nur selten konnten wir einen Blick auf die schönen Häuser und Gärten sowie SUVs dahinter werfen. Nur wenige Straßen weiter begann ein Bankenviertel mit Bauwerken von geschätzten 40 Stockwerken. In den gepflegten Anlagen drum herum lagen Cafés sowie besondere Speiserestaurants. Es ist also nicht verwunderlich, dass unsere MEX-Vorräte hier deutlich schneller als geplant schwanden.

Wir wollten öffentliche Verkehrsmittel benutzen, um die etwa 25 Minuten Autofahrt entfernte Innenstadt zu erreichen. Unsere Vermieterin konnte uns hierzu keine Auskunft geben. Auch Google hat sich dazu ausgeschwiegen. So bummelten wir am ersten Tag ein wenig durch die Straßen, machten größere Einkäufe im Supermarkt, aßen italienisch/mexikanisch zu Abend und genossen den Abend auf unserer Terrasse. Noch auffälliger als in Mexiko City ist hier die Liebe zu Formschnitt. Ob Bäume oder Stauden, alles wurde „angepasst“. Sehr große und alte Laubbäume spannten ihr Dach von der Straße bis zu den großen Eingangstoren.

Am nächsten Morgen war Duschen angesagt, doch nur das Badezimmer selbst duschte. Vorgänger hatten wohl das Duschrohr abgebrochen und unsere Vermieterin hat es notdürftig mit Tape geflickt. Mir sah das aber mehr nach durchgerostet aus. Unter dem Tape spritze das Wasser in alle Richtungen, während Thomas nur ganz wenig unter der Dusche abbekam. Es half also nichts, die Vermieterin wurde überzeugt, dass der Klempner her musste. Leider reparierte der nur die Dusche und nicht die vor sich hin tröpfelnden Wasserhähne in der Toilette und dem Waschbecken. Also ab zum Zähneputzen in die Küche.

Thomas hat die App Moovit entdeckt. Die verriet uns, dass es hier doch öffentliche Verkehrsmittel gab, die waren aber alle in privater Hand. Nach einem ausgiebigen Frühstück, wir mussten uns ja nach der Duschaktion stärken. Machten wir uns auf den Weg. Abenteuerlich möchte ich das Ganze bezeichnen. An der Straße waren keine Haltestellen gekennzeichnet, ebenso wenig wie Fahrpläne. Über die App stellten wir uns an einer Straßenecke zu einer Gruppe von Leuten und warteten.

Pünktlich sind die Busse schon mal nicht, das ist bei uns daheim auch nicht anders aber vielleicht nicht ganz so extrem. Wir sollten in die Linie 54 einsteigen, die uns ins Zentrum bringen sollte, als der nächste Bus kam, rannten wir mit den Wartenden hin und ergatterten in dem überfüllten Bus einen Stehplatz hinter dem Fahrer. Wenig später stellte Thomas fest, dass ich mich verlesen hatte. Wir waren in der Linie 64 und die fuhr ganz wo anders hin. Also wieder raus. Der nächste Uber bracht uns dann zu unserem Ziel.

In der Innenstadt haben mir nur wenige Gebäude gefallen. Ich war zum Beispiel in einer katholischen Kirche, die nur ganz oben im Mittelschiff Fenster hatte. Die Heiligenfiguren auf ihren Altären waren alle hinter Glas und mir allesamt unbekannt. Die Innenstadt von Mexiko City hat mir viel besser gefallen. Die Stadt bereitete sich auf ein Fest vor. Überall wurden Bühnen und Verkaufsstände aufgebaut und den restlichen Platz nahmen riesige Reihen an Dixiklos ein. Nach der vergeblichen Suche ein ansprechendes Café zu finden, brachen wir unseren Stadtzentrumsbesuch ab und ließen uns von Uber wieder nach Hause bringen.

Die nächsten Tage in Guadalajara verliefen wenig spektakulär. Es ergab sich, nach dem wir in unserer Nachbarschaft einen tollen Bäcker (Masa Madre = Sauerteig) entdeckt hatten, fast immer der gleiche Tagesablauf. Wir genossen dort unser Frühstück, eine Tasse Cappuccino und des Öfteren 2 Roles Canela (Zimtschnecken). Danach ging es wieder zurück in unsere Räume. Wir arbeiteten ein bisschen, auch an unserer App. Aufgrund der Sonneneinstrahlung war dies erst ab Mittag auf unserer Terrasse möglich. Am frühen Nachmittag spazierten wir durch unsere Wohngegend, immer mit einem anderen Ziel. Abends ging es in ein Restaurant, auch hier nie das Gleiche, mal italienisch, mal mexikanisch, ja sogar „hamburgisch“ war dabei. Nur mit der hiesigen Zubereitung von Steaks waren wir nicht ganz so glücklich, das Fleisch wurde wohl nicht auf dem Grill zubereitet. Erst später fanden wir heraus, dass das Fleisch, das Brisket bezeichnet wird, fünf bis zehn Stunden im Smoker verbringt.

Einer unserer Nachmittagsausflüge ging erneut ins Zentrum. Wir schlenderten dieses Mal unter anderem durch eine riesige Markthalle. Es gab dort fast alles zu kaufen, nicht nur Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch. Bereits eine Gasse weiter lagen Stapel an riesigen Sombreros neben Mountainbikes. Kinderspielzeug und auffälliger (Mode-)Schmuck war nur wenige Stände von Bergen mit Süßigkeiten entfernt. Ja so gar Kinder- und festliche Kleider, Rucksäcke, Handtaschen und Koffer konnte man dort erwerben.

Hatte die Stadt sich bei unserem ersten Besuch auf ihr jährliches Stadtjubiläum vorbereitet, gab es dieses Mal einen anderen Anlass. Immer wieder mussten wir erfahren, dass nur mit Spanisch eine Kommunikation möglich ist. So konnten wir nicht herausbekommen, welches Fest dieses Mal vorbereitet wurde. In der einen Straße war einige Stunden zuvor ein mindestens 3 Stockwerke hoher Vogelkäfig aufgestellt worden. Die Arbeiter waren noch dabei, kleinere Käfige an weiteren Drähten, die von diesem zu den Häuserwänden führten, aufzuhängen.

Ein weiteres Highlight bei unseren Streifzügen durch die Nachbarschaft war der Bosque Los Colomos. Der Wald ist aus der Umwandlung und Nutzung des ursprünglichen einheimischen Waldes resultiert, dessen Holz für den Bau der Stadt verwendet wurde. Ende des 19. Jahrhunderts waren die Grundwasserressourcen für die Stadt Guadalajara nicht mehr ausreichend. Der Wald von Los Colomos ist seit 2007 eine hydrologische Schutzzone. Es gibt Aktivitäten, um die Öffentlichkeit für die Bedeutung des Parkschutzes zu sensibilisieren. Er ähnelt heute an machen Stellen eher einem Urwald, der durch Freizeitanlagen, Liegewiesen, Trimm-Dich-Parkours und Streetball-Felder aufgelockert ist. Der viel besuchte Teil des Parks war nicht schwer zu erkennen. Fast schon handzahme Eichhörnchen versuchten von den Besuchern Futter zu bekommen. Stritten sich dabei des Öfteren mit schwarzen Vögeln, die man hier Mulato Azur (Melanotis caerulescens) bezeichnete. Im einsameren Teil des Waldes fehlten diese zutraulichen Tiere.

Die Anlage war von uns aus gut zu Fuß zu erreichen. Aber so groß, dass wir für die Rückkehr gute vier Stunden später unbedingt einen Uber benötigten. Hier wie auch an anderen Stellen konnten wir immer wieder beobachten, dass sich ältere Menschen noch etwas dazu verdienen (müssen). Die Dame, die uns mit Ihrem Wagen nach Hause fuhr, ist sicherlich jenseits der 75. Sie fuhr ein wenig vorsichtiger durch die viel befahrenen Straßen und über Kreuzungen ohne erkennbare Vorfahrtsregelung, brachte uns aber sicher ans Ziel.

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