Linda und Larry zauberten wieder ein fantastisches Frühstück für uns. Dabei fragte Linda uns, was wir uns unterwegs nach Melbourne noch ansehen werden. Wir waren uns noch nicht sicher und sofort hatte sie Tipps für uns parat.

Als ersten Halt empfahl uns Linda das Café des Royal Automobile Club of Victoria (RACV) in Inverloch. Hier konnten wir in aller Ruhe einen flat white genießen und hatten einen herrlichen Ausblick auf die Küste.

Auch Larry unterwies Thomas noch in die Besonderheiten der Verkehrsführung in Melbourne: Fahrer, die an einer Kreuzung rechts abbiegen wollen, halten vor dem stehenden Verkehr der links einmündenden Straße. So können Linksabbieger noch abbiegen und der Verkehr, der nicht rechts abbiegen will, kann ungehindert geradeaus fahren. Die Rechtsabbieger, die sich vor den von links stehenden Verkehr gestellt haben, fahren nach rechts, wenn die Ampel wechselt, da inzwischen die Kreuzung frei ist. Nun kann der Verkehr aus der links einmündenden Straße hinter dem abbiegenden Fahrzeug normal weiterfahren. Alles klar???

Die zweite Unterbrechung, die uns Linda empfohlen hatte, war Australian Garden in Cranbourne. Obwohl beim Spaziergang durch die wunderschön gestalteten Gärten immer wieder vor Schlangen gewarnt wurde, haben wir nicht eine gesehen. Hier ist es wohl genauso wie mit den Wombats: Nur denjenigen, die sich nicht dafür interessieren, denen laufen oder kriechen sie über den Weg.

Unser heutiges Ziel, die historische Stadtvilla „Captains Retreat“ liegt in Williamstown, gegenüber dem Jachthafen. Sie wurde 1862 von einem Kapitän als Familienresidenz erbaut, später diente sie eine Zeit lang als Nonnenkonvent und danach als Bordell. Der Stuck und die originalen Glasfenster sind bei der gründlichen Restaurierung 2008 und der Umwandlung in ein Gästehaus erhalten geblieben.

Auch dieses Haus wurde von seinem Besitzer zum Kauf angeboten. Dies war ja in Robe auch so gewesen und ich hatte ein leicht mulmiges Gefühl. Doch wir wurden herzlich von einer älteren Dame begrüßt, die anstelle ihrer Nichte uns unser Zimmer zeigte. Als das Gepäck verstaut war, gab es diesmal keine Erholungspause. Wir nutzen die 36 °C mit stärkerem Wind, um den vor der Haustür liegenden Segelhafen zu besichtigen.

Wir spazierten durch die Straßen von Williamstown, träumten davon, das eine oder andere Haus für uns zu erwerben, und fanden ein Lokal, das leckere Burger machte. Gut gesättigt ging es weiter, bis ein Angebot: Kübel mit 6 Flaschen Bier für 30 $A uns zum Hinsetzen veranlasste. Bei immer noch 28 °C schauten wir, während wir das Bier genossen, dem Treiben in der Straße zu, danach wollten wir nur noch ins Bett.

„Die Innenstadt (CBD) von Melbourne erreicht man in 15 Minuten bequem per Fähre“ so stand es in unseren Unterlagen, dies können wir nicht bestätigen. Nur Zug, Bus oder Auto ist nach wie vor möglich. Am Sonntag kann man sich die schwierige Suche nach einem Parkplatz ruhig sparen, denn in den Parkhäusern wird das Abstellen des Autos für 11 $A angeboten.

An unserem letzten Tag in Melbourne und unseres Australienurlaubs machten wir uns bereits am Vormittag auf den Weg in die Innenstadt. Wir verschwendeten noch einige Zeit mit der Parkplatz suche, doch vergeblich. Jede noch so kleine Lücke war bereits besetzt, also ab ins Parkhaus. Das Erste, welches wir ansteuerten, befand sich im Eureka Tower. Die Fahrt auf das Skydeck in den 88sten Stock dieses Bauwerks dauert knapp 40 Sekunden und lohnt sich wirklich. Dies war genauso eine Empfehlung von Linda und Larry und wir waren glücklich, dass wir diese Möglichkeit noch wahrnehmen konnten. Bei unserem ersten Besuch in Melbourne vor fünf Wochen wussten wir noch nichts davon, dabei liegt der Tower unweit der Flinderstreet, von unserem damaligen Hotel aus direkt hinter dem Bahnhof von Melbourne.

Eureka ist altgriechisch und bedeutet so viel wie „Ich hab was gefunden!“ – in den Goldfeldern von Victoria war das ein häufiger Ausruf bei einem Goldfund.

Oben in der Skydeck Lounge in 285 Meter Höhe hat man einen 360° Ausblick über Melbourne, deren Grenzen von hier oben kaum zu erkennen sind. Die wichtigsten Bauwerke und Orte der Stadt sind mit kleinen beschrifteten Röhren „markiert“. Blickt man durch diese hindurch, sieht man (nur) das bezeichnete Objekt, wie z. B. die 1978 erbaute Westgate-Brücke, die Pferderennbahn, auf der der Melbourne-Cup ausgetragen wird, die Princess-Brücke oder den Bahnhof. Von hier oben wurde uns erst das große Ausmaß des Bahnhofgebäudes bewusst und wir bewunderten die intelligente Schienenführung. Teilweise über Brücken, dann wieder ebenerdig und auch unterirdisch sieht man (back on earth) in der Innenstadt kaum etwas davon.

Es gibt auch einen kleinen Außenbereich, der vergittert ist und der über eine Schleuse betreten wird. Das Skydeck bietet einen besonderen Nervenkitzel: The Edge ist ein gläserner Würfel, der diejenigen, die dafür ein zusätzliches Ticket erworben haben, 285 Meter aus dem Gebäude hinaus „ins Nichts schiebt“. Der Glasboden des Edge ist 4,5 cm dick und hat eine Tragfähigkeit von 10 Tonnen.

Morgens waren wir bei kühlen 14 °C gestartet und die Vorhersage versprach maximal 19 °C. Entgegen dieser Vorhersage schlenderten wir bei strahlendem Sonnenschein und 26 °C erneut durch die Straßen der City von Melbourne. Nach dem wir uns mit einem flat white gestärkt hatten, ging es zur Bibliothek. Es ist ein sehenswertes Bauwerk und die Räume, die auch am Sonntag für jedermann zugänglich sind, waren sehr gut besucht.

Anschließend gelangten wir per Zufall in eine Geschäftspassage, in deren Mitte ein altes Gebäude erhalten ist. Wir schlenderten eine Weile darin herum, nutzten die Gelegenheit in einem SUV von Tesla Probe zu sitzen und machten uns dann wieder auf den Heimweg.

Inzwischen waren die Außentemperaturen wieder deutlich gesunken und die Möglichkeit, mich in unserer Unterbringung in der komfortablen Badewanne aufzuwärmen, kam mir sehr gelegen. Anschließend ging es zum selben Italiener, bei dem wir tags zuvor mit einem „Kübel“ Bier uns die nötige Bettschwere verpasst hatten. Diesmal konnten wir aber für Pizza und Pasta nicht draußen sitzen.

Am nächsten Morgen auf dem Weg zum Flughafen sind wir noch durch ein nobles Stadtviertel von Melbourne gefahren. Konnten aber keine Häuser entdecken, die unserem Geschmack entsprachen. Dafür fanden wir Häuser, die nach amerikanischem Stil weihnachtlich geschmückt waren. Dann hieß es Abschied nehmen, doch wir freuten uns, demnächst wieder zuhause zu sein.

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