Nun sind wir in Mexiko gelandet. Solltest du dich fragen wie lange wir den Urlaub in Mexiko schon geplant haben, muss ich dir antworten überhaupt nicht. Nicht dass Mexiko keine Reise wert ist, wir waren nur dieses Mal mit unserer Planung stark auf die asiatischen Staaten wie Vietnam fixiert. Immer wieder sprachen wir darüber und warteten auf günstige Flugpreise in diese Richtung. Dann kamen die Zwischenfälle im Irak/Iran und dann der Ausbruch des Coronavirus, und wir fingen an umzuplanen.
Es war eine gute Entscheidung, hier her zu fliegen. Mexiko-City soll die zweitgrößte Stadt der Welt sein, persönlich zweifle ich ein wenig daran, weil in China inzwischen auch sehr große Metropolen entstanden sind. Sie ist aber auf alle Fälle gewaltig, mehr als acht Millionen Einwohner, und nur im Zentrum findet man Hochhäuser. Die Stadt hat so gewaltige Ausmaße. Auf unseren Busfahrten durch die Stadt konnten wir ein wenig die Ausdehnung erkennen, denn auch an den entfernt liegenden Hängen sind bis weit hinauf Häuser zu erkennen.

Thomas hat sich um den Flug und die Unterbringung für die erste Woche gekümmert. Von den zwölf-einhalb Flugstunden hierher waren elf-einhalb sehr angenehm. Zwar konnte ich nicht schlafen, doch das kann ich eh nur ganz selten. Die letzte Flugstunde, ca. 200 km bis AICM (Aeropuerto Internacional de la Ciudad de México) hatte es jedoch in sich. Wir flogen zwar von USA kommend über Land in Richtung Mexiko City, doch es war sehr ruppig. Des Öfteren hatte ich die Spucktüte in der Hand, doch dann hatten wir es überstanden. Die Abfertigung/Einreise am Flughafen war zügig, wir brauchten also nur noch unsere Telefonkarten und einen Uber (Taxi). Nach 50 Minuten Fahrt waren wir dann auch in unserer Unterbringung (AirBnB) angekommen.

Am Flughafen Benito Juárez war mir schon aufgefallen, dass ich hier über die meisten Personen hinweg schauen konnte, mit 174 cm eine neue Erfahrung für mich. Unser Apartment liegt im zweiten Stock und vom separaten Eingang führt eine Treppe direkt dort hinauf. Doch die Treppe hinauf wurde wohl für (sehr) kleine Personen gebaut. So klein, schmal, eng, ist sie fast eine Wendeltreppe. Sie war für mich so schon anstrengend, doch mit 20-kg-Koffer und Rucksack ……

Am nächsten Tag erkundeten wir erst einmal unsere Nachbarschaft. Wir entdeckten wieder eine Besonderheit: Es gibt sehr viele (kleine) Supermärkte, die für uns eher die Größe von Kiosken oder in Berlin die Spätis haben. Sie haben auch nur ein sehr beschränktes Angebot: Getränke, Naschereien und Waschmittel. Erst einige Tage später fanden wir Supermärkte in Größe und mit dem Angebot, wie wir sie kennen. Inzwischen wissen wir, dass wir in unserem Stadtteil alles, was wir zum Leben brauchen, zu Fuß erreichen können. Im „Yume“, ein Café in einem mit viel Nippes ausgestattetem Wohn-/Esszimmer, gab es zum Frühstück café con leche (Milchkaffee) und eine Art Toast „Benedict“. Preislich fanden wir es günstig, später mussten wir feststellen, dass dem nicht so ist. Trotzdem waren wir es einige Tage später erneut dort.

Gegen Mittag brachte uns Uber ins Zentrum der Stadt und wir schlenderten ein wenig herum. Dank Google war es nicht schwer, herauszufinden auf welchem Platz und vor welchem Gebäude wir standen. Für den Heimweg benutzten wir dann zum ersten Mal die STC (Systema de Transporte Collectivo) Metro, die erste Linie wurde 1969 fertiggestellt. Inzwischen sind über 3200 Züge im Einsatz. Um aufgrund der geologischen Gegebenheiten eine erschütterungsfreie Fahrt zu gewährleisten, sind die meisten Züge mit Gummireifen ausgerüstet. Uber ist für uns schon sehr günstig, doch die Fahrt mit der Metro ist wirklich preiswert. Eine Fahrt mit der Metro kostet 5 MEX (mexikanische Pesos) also um die 25 Cent. Man betritt den durch Schranken abgetrennten Bereich der Metro an irgendeinem Bahnhof und kann fahren, wohin man möchte, solange man diesen Bereich nicht verlässt. Erst danach würden erneut 5 MEX fällig. Es gibt hier auch ein Bussystem, rote Busse, blaue Busse mit Oberleitung, wir haben sie jedoch nicht ausprobiert.

Abends nutzten wir einen Tipp unserer Vermieterin und aßen wenige Straßen weiter unsere ersten Tacos. Wir wussten, dass sie nicht sehr groß sind, und hatten uns eine größere Auswahl bestellt. Doch so gut wie die belegt waren, war es viel zu viel. Abgesehen von dem großen Einsatz an frischem Koriander waren sie sehr lecker. Dazu gereicht werden Zwiebeln, eine Art Guacamole, eine braune, mit Chilli aufgepeppte Soße und Limetten. Mit Letzterem lässt sich prima Koriander unterdrücken.

Am nächsten Tag führte uns unsere Stadterkundung zum Bosque de Chapultepec, ein parkähnliches Gebiet, an dessen Eingang befindet sich der Altar a la Patria. Hier gibt es einen See, sehr viel Wald und sogar einen Zoo. Doch leider ist alles in keinem guten Zustand. Im Zoo z. B. gab es mal Pandas, doch nun sind am Gehege die Tiere nur noch auf Plakaten zu besichtigen. Vermutlich liegt das am derzeitigen Zustand des Zoos. Die Anlage ist jedoch sehr groß und wir legten innerhalb dieser mehr als acht Kilometer zurück. Wir hatten keine Getränke mitgenommen und so suchten wir uns nach dem Verlassen des Parks und einer abenteuerlichen Fahrt in einer übervollen Metro eine Lokalität. Viel zu schnell kippten wir den halben Liter Cerveza in uns hinein. Das Ergebnis: Duselig im Kopf machten wir uns auf den Heimweg, statt Abendessen gab es nur noch die Waagrechte.

Ein Tag weiter stand ein Ausflug nach San Juan Teotihuacán de Arista auf dem Plan. Ein kleines bis mittleres Abenteuer, denn wir hatten uns für die Fahrt dorthin den einheimischen Bustransport ausgesucht. Von Uber ließen wir uns zum zentralen Busbahnhof Terminal del Norte bringen, eine Anlage, die es durchaus mit einem Flughafen aufnehmen konnte. Von dort bis nach Teotihuacán sind es ungefähr 44 km und dafür brauchte der Bus anderthalb Stunden. Die Kosten für die einfache Strecke beliefen sich auf 52 MEX/Person (2,53 €). Die Sitze in den Bussen waren ziemlich ausgesessen und der Bus selbst hatte auch die besten Jahre hinter sich. Doch die Abfertigung war zügig und professionell. Nach dem Verlassen der Stadtgrenze stiegen zwei Musiker zu und verkürzten uns die Fahrt mit wohlklingender mexikanischer Musik, es war wirklich ein Genuss. Wir wurden vor dem bewachten Parkplatz abgesetzt und machten uns auf den Weg zum am anderen Ende liegenden Eingangsgebäude zur Stadt. Für die Eintrittskarten wurde unsere Reisekasse um weitere 50 MEX/Person belastet. Auf unserer Fahrt mit der Aida hatten wir in Yucatan schon einmal derartige Anlagen besichtigt, doch diese hier übertraf das Gesehene an Größe und Erhaltung um ein Vielfaches. Die Fahrt zurück gestaltete sich fast genauso, am Anfang mussten wir zwar einige Zeit im Bus stehen, bevor ein Sitzplatz frei wurde. So war jedoch ausreichend Platz, um die Hüften zur eingehenden Musik zu bewegen. Vom Terminal del Norte gelangten wir mit der Metro nach Hause.

Die voraztekische Ruinenstadt Teotihuacán befindet sich nordöstlich von Mexiko City. Im Stadtbild befindet sich die Sonnenpyramide an der Straße der Toten, die von der Mondpyramide auf der einen Seite und der Ciudadela im Schatten des mächtigen Cerro-Gord-Massiv am anderen Ende begrenzt wird. Die Namen gaben den Bauwerken die Azteken, nach dem die Stadt schon seit Jahrhunderten verlassen war. Entstanden sind die Bauwerke um 100 nach Christus. Die Ausrichtung der Pyramiden lassen auf astronomische Hintergründe schließen, weil damit wichtige Tage im Kalender der Maya markiert sind.
Mit uns waren sehr viele Besucher in der Stadt, doch aufgrund der Größe verlief sich das total.

Am Sonntag gönnten wir uns, wie schon erwähnt, erneut ein Frühstück bei „YUME“. Nebenzu erstellten wir diesem Bericht. Anschließend ging es wieder in die Stadt, ausgesuchtes Ziel war Chinatown. Zuvor mussten wir jedoch einen Abstecher zu einem Laden des Telefonanbieter telcel machen. Es gab Probleme mit dem Datenvolumen für unsere Telefonkarten. Dies war bald geklärt. Wir waren von dem Verkäufer am Flughafen leider nicht darauf hingewiesen worden, dass wir die Datenpakete selbst freischalten müssen. Dies wurde von dem Mitarbeiter nachgeholt und schon konnte Thomas wieder voll auf Google zugreifen. Also ab in die Stadt.
Unglaublich wie viele Leute hier unterwegs waren. Für Unterhaltung war vielerorts gesorgt, denn wer wollte, konnte von einem der vielen Musikgruppen ein Ständchen gegen einen entsprechenden Obolus erwerben und die Umstehenden also auch wir hatten auch etwas davon. Wie die Tage zuvor wurde an vielen Ecken getanzt und/oder Jung und Alt entsprechend geschult. Auf unserer Besichtigungstour durchstreiften wir einige Markthallen, die selbst am Sonntag geöffnet haben. Wieder zurück genossen wir den sonnigen Nachmittag auf unserer Dachterrasse. Abends gab es zur Abwechslung mal mexikanische Pizza. Es amüsierte uns, als wir in der Karte nach griechischer, italienischer oder französischer Art lasen. Entschieden haben wir uns jeweils für eine Calzone, deren Größe uns überforderte. Wir hätten uns gut eine teilen können.

Unser Ziel am nächsten Tag waren die schwimmenden Gärten von Xochimilico im Süden von Mexiko City, sie befinden sich etwa 20 km vom Zentrum entfernt. Xochimilco ist einer der 16 Bezirke der mexikanischen Hauptstadt Mexiko City mit ca. 400.000 Einwohnern und zählt seit 1987 zum UNESCO Weltkulturerbe. Diese Gärten wurden im 14. Jahrhundert von den Azteken auf dem Texcoco-See angelegt, um ihre Hauptstadt Tenochtitlán mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

Am Montag rechneten wir mit geringerem touristischem Andrang, bei den Booten, die man nur komplett für eine Fahrt auf den verbliebenen Wasserstraßen mieten kann. Den ersten Teil der Strecke legten wir mit der Metro zurück, anschließend fuhren wir noch 17 Stationen mit einer Vorstadtbahn. Hier war ein gewaltiger Andrang und nicht alle, die auf dem Bahnsteig standen, schafften es auch in diesen Zug. An den verschiedenen Stationen wurde zwar wieder ausgestiegen, doch fast genauso viele kamen erneut dazu. Um einen Sitzplatz zu ergattern, sollte man sich nicht im Türbereich aufhalten, sondern sich weiter in den Gang zwischen den Sitzplätzen durchkämpfen. Dies haben wir dann später auf unserer Rückfahrt gemacht und trotz überfülltem Zug nach wenigen Stationen welche ergattert.

Auf dem Weg zu dem ausgesuchten Bootshafen gibt es weitere Anlegestellen mit kleineren und größeren Liegeplätze für die Boote, dementsprechend oft wurden wir angesprochen, umworben, aber nie so richtig belästigt, wie man es von anderen touristischen Attraktionen kennt. Im Internet stand zwar, dass für 200 MEX ein Boot für eine Stunde zu mieten ist. Wir haben gefeilscht und haben letzt endlich 400 MEX für unsere einstündige Bootsfahrt hinlegen müssen. Von der zeitlichen Planung hatten wir es richtig gemacht, der Hafen war voll mit Booten und wir legten hier als Einziges ab. Einige Kanäle später war unsere Strecke trotzdem gut gefüllt. „Die Gärten“ waren als schwimmend zwar nicht mehr zu erkennen und es standen auch Häuser aus Stein auf den Grundstücken, doch der Ausflug dorthin lohnt sich. Einige der Boote waren auch mit Musikgruppen besetzt und hätten uns ganz gerne gegen einen Obolus mit ihrer Musik beglückt. Ich hatte den Eindruck, dass ich einige davon am Tag zuvor im Zentrum gesehen habe.

Als wir wieder in unserer Unterbringung waren, haben wir ein wenig „gearbeitet“. Schon länger brüte ich über eine App, die mir ausrechnet, wie viel Trinkgeld (Tip (oder Tipp, ältere Schreibweise) der Service in der Gastronomie oder im Taxi in dem Land zu bekommen hat, in dem ich mich gerade aufhalte. Wir hatten zuhause schon einmal damit angefangen, doch für das Veröffentlichen z. B. im Apple App Store, hätte ich erst einmal einen kostenpflichtigen Account benötigt. Wir haben die Anfänge vernichtet und neu aufgesetzt. Ohne Thomas Hilfe wäre ich durch das Wirrwarr von Tools für „Version 2“ nicht durchgestiegen. Weiter möchte ich hier nicht darauf eingehen. Wir haben jedenfalls bis spät in die Nacht daran gesessen, haben dazwischen nur kurz unterbrochen, um bei unserem Taco-Stand ein/zwei davon zu genießen. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht. Auch am nächsten Tag haben wir noch einiges daran getan. Die App ist zwar noch nicht ganz so, wie ich sie gerne hätte, ist aber gebrauchsfähig. Wenn ihr sie schon einmal ausprobieren wollt, hier im Footer oder mit diesem Link könnt ihr sie mit eurem Browser aufrufen und sie dann als Bookmark auf eurem Mobile/Handy ablegen. Ja ich gebe zu, auch wenn 80 % der Programmierung von Thomas ist, bin ich SEHR stolz auf unsere App.

Es war erst mal der letzte Tag in Mexiko City. Morgen wollten wir weiter nach Guadalajara, die zweitgrößte Stadt von Mexiko. Für heute hatte Thomas zwei angesagte Stadtteile herausgesucht (Zona Rosa, Colonia Condesa) und wir mischten uns unter die gestylten, viel beschäftigten Personen, die zwar in den angesagten Cafés herumsaßen, dem Gehabe nach aber kaum Zeit dafür hatten. Kurze Hose und T-Shirt waren der krasse Gegensatz, machten aber für uns das Gefühl Urlaub perfekt.
Zeit fürs Kofferpacken war erst sehr spät in der Nacht, denn nach unserer Rückkehr saßen wir erneut an unserer App ……

One Comment

  1. Sehr interessant zu lesen….gute Reise weiterhin……doch insgesamt vermisse ich euch
    Ich bin nur noch selten in Senden und lebe meist in Dachau….besuche relativ meine Mutter die inzwischen in einem Altersheim lebt….meldet euch doch einmal wenn ihr wieder in Neu-Ulm seid. LG Volkmar

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.