Es hieß für uns vor 7:00 Uhr aufstehen, damit wir den Flug UA139 von Island nach New York rechtzeitig erreichten. Knappe 90 Kilometer vom „ION Adventure“ zum Flughafen Keflavik, Abgabe des Mietwagens, frühes Einchecken, um noch Einfluss auf die Sitzplätze zu haben, wir konnten nicht abschätzen, wie viel Zeit wir dafür benötigen werden. Doch es klappte besser als erwartet. Obendrein war der Flug nicht ausgebucht, Reihe 25 mit sechs Sitzplätzen hatten wir für uns alleine.

Nach fünfeinhalb Stunden Flugzeit landeten wir gegen 14:00 Uhr in New York City auf dem Newark Airport. Unsere Koffer waren Nummer zwei und drei auf dem Förderband und so saßen wir schon bald im Zug zum Hotel in Manhattan.

Ich war ein wenig enttäuscht, dass die Wolkenkratzer hier nicht wesentlich höher waren als in San Francisco, als wir die U-Bahnstation verließen. Einige Zeit später, unser Navigator (Google Maps) hatte Probleme mit den Hochhausschluchten, bekamen wir an der Rezeption erklärt, dass unser Hotel, mit dem gleichen Namen einige Straßen weiter ist. Dieses war deutlich moderner – und vom 16. Stock blickten wir am bodentiefen Fenster, nur durch eine hüfthohe Scheibe von der Tiefe getrennt, direkt auf Ground Zero. Trotz mulmigem Gefühl in der Magengegend genoss ich diesen fantastischen Ausblick.

Sechs Tage haben wir für den Aufenthalt geplant, das ist nicht viel Zeit und so starteten wir gleich zum ersten Spaziergang. Thomas brauchte noch eine SIM-Karte, danach durchquerten wir einen kleinen Park mit Ziel City Hall. Dabei beobachteten wir einen Mann, der sehr vertraut mit Eichhörnchen umging.
Die City Hall in New York City ist das älteste noch in dieser Funktion genutzte Rathaus der USA. Das Gebäude wurde von 1803 bis 1812 erbaut und gehört zu den historischen Wahrzeichen der Stadt. Ist Sitz des Rates und des Bürgermeisters.

Unser nächstes Ziel war dann das 9/11 Memorial, oftmals einfach nur Ground Zero genannt. An den Stellen der Zwillingstürme befinden sich, „Fußabdrücken“ gleich, zwei große Becken. Diese sind mit einer Kupferumrandung versehen. Darin eingefräst sind die Namen der Menschen, die im Zusammenhang mit den Anschlägen (11. September 2001 und 26. Februar 1993) ums Leben kamen. Die Attentäter sind nicht erwähnt. Neun Meter tief fällt das Wasser in ein Untergeschoss. Der unter dem Bassins liegenden Pavillon heißt Reflecting Absence (Nachdenken darüber, was fehlt).

Beeindrucken und gleichzeitig bedrückend empfand ich die Gedenkstätte. Eine weiße Rose im Namen erinnerte daran, dass derjenige heute Geburtstag gehabt hätte. Schlucken musste ich als ein junger Mann neben mir, im Arm seine Freundin, die Hand im Becken unter der Umrandung anfeuchtete und auf einen der Namen legte, dabei schweigend eine Weile verharrte. Tränen gleich war die Spur, die zurückblieb.

Auf unserem Heimweg entdeckten wir dann noch einen Smart als Polizeiauto. Wer den wohl fahren darf?

Am nächsten Tag war es zuerst nur bewölkt und die U-Bahn brachte uns nach Brooklyn. Es fing an zu nieseln, als wir dort durch den Park zur Brooklyn Bridge spazierten. Immer schon wollte ich einmal über diese Brücke laufen. Kaum hatten wir einige Meter auf ihr zurückgelegt, kamen die ersten Schauer herunter. Schutz vor dem Regen gab es nur auf der Mitte der Brücke – dicht gedrängt standen hier die Leute. Einige Schauer später waren wir zurück in Manhattan und flüchteten in eine U-Bahnstation. „Eigentlich hätten wir heute Morgen nicht duschen brauchen“ lästerte Thomas. Trotz Regenjacke erreichten wir völlig durchnässt unser Zimmer.

Zwei Stunden später nieselte es zwar noch, doch wir machten uns erneut auf den Weg zum Ufer des East River. Von der Brooklyn Bridge aus hatte ich dort einen Frachtsegler entdeckt. Die „Wavertree“ wurde 1885 in Southampton, England, für R. W. Leyland & Company  of Liverpool gebaut und als Juteträgerin zwischen Ostindien (heute Bangladesch) und Schottland eingesetzt. Bereits nach zwei Jahren wurde sie in der Trampschifffahrt verwendet und nahm Fracht überall auf der Welt.

Burger stand heute auf dem Speiseplan und wir wurden fündig im „Shake Shack“. Der Eigentümer dieser Kette begann 2004 mit einem Kiosk im Madison Square Park, betreibt jetzt über 240 Filialen und das Time Magazin wählte ihn bereits 2015 unter die 100 einflussreichsten Menschen der Welt.

Nach dem Frühstück stöberte Thomas im Internet nach Karten für die Aufsichtsplattform des Rockefeller Center. Daraus wurden dann Karten für One World Trade Center und dies nicht nur, weil es fast vor unserer Haustür steht. Die Karten waren günstiger, die Plattform höher. Bei Sonnenschein machten wir uns auf den Weg und wurden nicht enttäuscht.

Den sonnigen Tag weiter nutzend ließen wir uns nach der Mittagspause von der U-Bahn mit Ziel High Line Park nach Chelsea bringen. Der Park entstand auf einer über 2 Kilometer langen Güterzugtrasse und der 3. Abschnitt „The Spur“ wurde am 5. Juni 2019, also vor sechs Tagen, der Öffentlichkeit übergeben. Seid der Umgestaltung zur Parkanlage ist der Bereich beiderseits der Trasse ein Ort für Unternehmen insbesondere der Kreativbranche geworden. Diverse Gebäude zu beiden Seiten wurden oder werden restauriert und als hochwertiger (Wohn-)Raum in bevorzugter Lage vermarktet.

An dem einen Ende des Parks befindet sich das Vessel (Schiff). Das von Thomas Heatherwick entworfene Schiff hat u. a. 2500 Stufen. Seine 15 m breite Basis erweitert sich zu einer Breite von 46 m an seinem Scheitelpunkt. Damit ist es so hoch wie breit. Die kupferverkleidete Treppe, die nach indischem Vorbild gestaltet ist, kann 1.000 Menschen auf einmal aufnehmen. Von oben kann man den Hudson River sehen. Aufgrund einer langen Schlange am Zugang zum Vessel wollten wir schon weitergehen. Dann bekamen wir heraus, dass an deren Ende Eintrittskarten kostenlos verteilt werden. Auf diesen ist angegeben, wann und und wie lange man sich innerhalb aufhalten darf. Eine gute Lösung, die zugelassene Personenanzahl nicht überschreiten zu lassen. Das Schiff ist Bestandteil des Hudson Yards Public Square. Der angegliederte 2 Hektar große öffentliche Platz hat 28.000 Pflanzen und 225 Bäume.

Die Milch, die wir gestern gekauft hatten war sauer und so musste Thomas noch vor dem Frühstück los uns neue besorgen. Aber er kannte den Weg inzwischen, denn er war schon öfter bei Whole Foods gewesen. In New York hatten wir nur Zimmer gebucht. Es erschien uns günstiger morgens in irgend einem Lokal zu frühstücken. Unser Zimmer hatte eine Miniküche und vom Hotel bekamen wir kostenlos leckeren Kaffee aus einem WMF Vollautomaten, so haben wir unseren Plan geändert und uns alles andere besorgt und auf dem Zimmer gefrühstückt.

Nach dem Frühstück ging es entgegen der Vorhersage bei Sonnenschein zu Fuß zur Börse in der Wall Street, Ecke Street. Viele geführte Gruppen vor dem Gebäude machten es schwierig, dieses auf ein Bild zu bannen. Wir zogen also gleich weiter und suchten uns eine U-Bahnstation. Dabei kamen wir am Trump Tower vorbei. Hier war der Andrang gering, nur ein Pärchen postierte sich für ein Selfie. Wir mussten noch einmal in den High Line Park. Das T-Shirt, dass wir dort an einem Stand gekauft hatten, hatte leider die falsche Größe.

Time Square war unser nächstes Ziel. Auf dem Weg besichtigten wir einen Laden nur mit M&M. Auch hier hat man sich auf die anstehende World Pride am 30. Juni 2019 eingestellt. Die Süßigkeiten gab es hier in allen Farben und unterschiedlichen Füllungen. Doch es gab durchsichtige Gefäße, darin waren die M&Ms als Regenbogenfahne sortiert. Wer es noch spezieller wollte, konnte sich auf regenbogenfarbenen Dragees/Perlen zusätzlich noch „Love“, „I love NY“ oder anderes drucken lassen.

Es folgte ein Spaziergang durch den Central Park. An einem Mittwoch hatte ich hier am frühen Nachmittag nicht so viele Menschen erwartet. Und was alles für die Besucher, nicht nur für die Kinder, angeboten wurde. Auf bestimmten Strecken war das Fahren mit dem Bike bzw E-Bike erlaubt. Hier fuhren auch Rykshas und Hochzeitskutschen. Man konnte sich bis auf wenige Ausnahmen in dem Park frei bewegen. Leider wurde gerade in den Bereichen, die den meisten gefiel, dadurch auch sehr viel zerstört.

Bisher konnten wir hier wie in Island alles mit der Kreditkarte bezahlen. Wir hatten die Erfahrung gemacht, das kommt günstiger als das zahlen in der entsprechenden Landeswährung. Sogar die „fliegenden“ Händler in den Straßen oder z.B. im High Line Park waren entsprechend ausgerüstet. Doch die Händler im Central Park sind noch nicht soweit und verlangten bares. So verließen wir früher als geplant den Park und stärkten uns mal wieder bei Shake Shack.

Thomas hatte beim recherchieren die Rooftop Bar Serra a La Birreria entdeckt. Dieser Biergarten oben auf dem Dach war unser nächster Anlaufpunkt. Zuerst als U-Bahn und dann weiter zu Fuß. Dabei kamen wir bei Lego vorbei und schauten uns kurz im Laden um. Dann standen wir im Madison Square Park vor dem Kiosk mit dem „Shake Shack“ begonnen hatte. Die Rooftop Bar war nicht leicht zu finden, als wir sie dann endlich betraten machten wir auf dem Absatz kehrt. Ich kann mich nicht daran erinnern jemals etwas kitschigeres gesehen zu haben.

Nach dem die Füße sich nach einer längeren Pause im Hotelzimmer wieder erholt hatten, ging es in die Christopher Street im Stadtteil Greenwich Village.
Am Samstag, dem 28. Juni 1969 ab etwa 1:20 Uhr, als Polizeibeamte eine Razzia im Stonewall Inn durchführten, einer Bar mit homosexuellem und Transgender-Zielpublikum widersetzte sich erstmals eine große Gruppe von Homosexuellen der bisher üblichen Verhaftung. Dieses Ereignis als Wendepunkt in ihrem Kampf für Gleichbehandlung und Anerkennung angesehen und jedes Jahr wird weltweit mit der Gay Pride daran erinnert. Pride, ist ein Begriff, der aus der Lesben- und Schwulenbewegung stammt, um den selbstbewussten bzw. selbstachtenden und damit stolzen Umgang mit der eigenen sexuellen Identität zu beschreiben. Stolz mit der Bedeutung, so zu sein, wie man ist, sich nicht vor anderen verstecken oder sich für andere verstellen zu wollen und gegebenenfalls für seine Rechte einzutreten. Auch wenn sich vieles in den vergangenen 50 Jahren getan hat werden immer noch Menschen aufgrund ihrer Sexuellen Orientierung benachteiligt.
Als wir vor dem Stonewall Inn eintrafen war dort eine Demonstration. Leider konnten wir nicht Erfahrung bringen, worum es ging.

Bevor wir den Tag mit einem Bier in Ty’s Gay Bar ausklingen ließen, genoßen wir wir bei einem angesagten Italiener leckere Pasta.

Ab und zu werden die Fahrstrecken der U-Bahn-Linien geändert. Dies wird örtlich sicherlich bekanntgegeben. Uns war das nicht bekannt und so fuhren wir auf dem Heimweg plötzlich mit der Linie R über die Manhattan Bridge nach Brooklyn. Doch die Linie 4 brachte uns nach ein wenig zeitlicher Verzögerung zurück nach Manhattan. Leider war es schon dunkel draußen und so blieb uns von dem Ausflug nur der Schreck.

Am nächsten Morgen regnete es wieder einmal in Strömen und so versuchten wir einigermaßen trocken, das gar nicht soweit entfernte 9/11 Memorial Museum zu erreichen. Die Warte-Serpentinen vor dem Einlass sind nicht überdacht und wir hatten die Tage zuvor schon beobachtet, dass bei schlechtem Wetter der Andrang noch höher ist als an sonnigen Tagen. Doch wir waren früh dran und es waren nur fünf Personen vor uns mit denen zusammen wir eingelassen wurden. Nach dem üblichen Sicherheitscheck begannen wir unseren Rundgang. Es waren schon viele Besucher anwesend und im Laufe der Zeit wurden es immer mehr. Konnten wir uns anfänglich frei bewegen, wurde es gegen Ende unseres Besuches schwer, die ausgestellten Exponate zu besichtigen.

Es ist wirklich ein gewaltiger Raum unter den beiden Becken, die die Fußabdrücke der Zwillingstürme symbolisierten. Erneut wurden die eigenen Erinnerungen an den 11.09.2001 abgerufen. Im 1. Bereich werden Erinnerungen von Überlebenden und Erzählungen von Besuchern in Text und Bild dargestellt. Dann ging es ins Eingemachte und gesammelten Aufzeichnungen, Presseberichte konnten durchgelesen werden. Auch die Zeit nach dem 11. bis zum heutigen Tag war dokumentiert, ebeso das, was noch alles geplant ist. Beeindruckend fand ich die Berichte über die Sicherung des Geländes, um weitere Schäden zu verhindern. Der unweit entfernte Hudson River bedrohte U-Bahn-Tunnel und -Stationen sowie weitere Gebäude zu unterspülen. Um das zu verhindern musste sehr bald schon, das entstandene Loch zusätzlich abgesichert werden.

Als wir gegen 13:00 Uhr das Museum verließen strahlte zwar wieder die Sonne, doch es blies ein kräftiger Wind. Wir machten uns auf den Weg an die Südspitze von Manhattan zur Fähre nach Staten Island. Als wir diese erreichten, war es wieder völlig bedeckt. Die Benutzung der Fähre ist kostenlos und auf ihrer Fahrt nach Staten Island passiert sie die Liberty Statue (Freiheitsstatue), legt dort aber nicht an. Kaum auf der Insel angekommen, ging es mit der nächsten Fähre wieder zurück. Das Wetter lud nicht zum Spazierengehen ein und wir hatten uns nicht informiert, was es sehenswertes auf der Insel gibt.

Mit Erreichen von Manhattan kam die Sonne wieder raus und so spazierten wir gemütlich durch den Battery Parc, fütterten Squirrels (Eichhörnchen) und hatten sehr viel Spaß dabei.

Als wir uns abends auf den Weg nach Chinatown machten, um dort zu Abend zu essen, regnete es wieder in Strömen.

Während des Frühstücks am nächsten Morgen planten wir die Fahrt zur Georg Hudson Bridge. Eine Stunde Fahrt mit der U-Bahn hin sowie fast genauso lange bis zum Rockefeller Center, veranlasste uns diesen Ausflugspunkt zu streichen. Wieder war es ein sonniger Tag und es ging auch nur ein leichter Wind. Wir hatten uns einiges vorgenommen, denn es war unser letzter Tag in New York.

Auf dem Weg zum Rockefeller Center besichtigten wir uns zuerst die Saint Thomas Episcopal Church, danach Saint Patrick’s Cathedral. Im Rockefeller Center wollte ich eigentlich shoppen gehen, wir fanden keine entsprechenden Geschäfte und so gab es nur einen Flat White im Starbucks.

Die U-Bahn brachte uns dann zuerst zur Metropolitan Opera und dann zum Grand Central Terminal. In dessen Hallen hatte Apple einen Shop eingerichtet, den wir uns unbedingt anschauen mussten.

Zu Fuß ging es weiter Richtung zur Empire State Building. Dabei kamen wir an der New York Public Library (42nd Street) vorbei. Das mussten wir uns unbedingt von innen ansehen. Dabei entdeckten wir, dass anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Stonewall“ mit der Ausstellung mit „Love & Resistance“ an die Geschehnisse in den 50 erinnert wurde. Er zog sich in, der Weg zum Empire State Building. Dabei entdeckten wir, dass wir das Gebäude viel schneller vom Madison Square Park hätten erreichen können. Dann noch „schnell“ um die Ecke zum Chrysler Building und plötzlich standen wir wieder vor dem Grand Central Terminal.

Unsere Schuhe „qualmten“ und die Füße schmerzten. Also ab in die U-Bahn, noch einmal umsteigen und noch ein kleiner Fußweg und wir waren wieder zurück. So nebenbei angemerkt: Das Empire State Building und das Chrysler Building haben wir uns nur von außen angesehen. Das war so auch geplant, denn einen Rundblick über New York hatten wir ja schon vom One World Trade Center aus.

Mit leckerem Essen vom „Route 66 Smokehouse“ beschlossen wir den Aufenthalt in New York. Inzwischen kann auch ich verstehen, warum so viele diese Metropole so anziehend finden.

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